Prof. Dr. Christian von Hirschhausen kommt nach Schweinspoint

 

Am Freitag, den 20. Februar 2015, kam der Energieversorgungsexperte Prof. Dr. Christian von Hirschhausen in die Diepoldhalle nach Schweinspoint. Zu sechst folgten wir der Einladung der BI Megatrasse-Lech. Über fünfhundert Bürgerinnen und Bürger aus der Region taten es uns gleich, darunter mehrere Kommunalpolitiker wie auch Landrat Stefan Rößle. Nach der Begrüßung durch Martin Stegmair von der BI Megatrasse-Lech und einem Grußwort von Marxheims Bürgermeister Alois Schiegg übernahm Prof. v. Hirschhausen das Wort.

 

In seinem Vortrag widerlegte Prof. v. Hirschhausen alle Argumente der Trassenbefürworter sehr vehement und nachvollziehbar.

 

Der Bau neuer Stromtrassen, so Hirschhausen, liefe diametral entgegen dem Bestreben nach einer echten Energiewende. Zweck der geplanten Stromtrassen sei in der Tat der Transport von Kohlestrom aus der Lausitz. Als Ziel der Energiewende formulierte er jedoch sehr deutlich nicht nur den Atomausstieg, sondern auch die Dekarbonisierung des Strommixes. Ein gangbarer Weg sei dabei die Installation eines fokusierten Kapazitätsmarktes mit dem Ziel, dass aufgrund des niedrigen Börsenpreises für Strom unrentabel gewordene Gaskraftwerke wieder in die Rentabilitätszone gebracht werden und bezüglich der Kohlekraftwerke eine Marktbereinigung stattfinden kann. Um die bei Abschalten der Atommeiler entstehende Deckungslücke zu kompensieren, gebe es mehrere Lösungsansätze jenseits des Baus von Stromtrassen. Am Standort Gundremmingen wäre beispielsweise die Installation eines Gaskraftwerkes denkbar, was hinsichtlich der Netzstabilität wesentlich sinnvoller wäre als das Verbringen des Kohlestroms an diesen wichtigen Netzknotenpunkt mittels einer Megatrasse. Auch denkbar wäre im Hinblick auf die Netzstabilität die Installation eines Phasenschiebers am Standort Gundremmingen, was allerdings aufgrund fehlender finanzieller Anreize schwierig sei.

 

Das Argument der Trassenbefürworter, dass der Markt in zwei Preiszonen gespalten würde, sei völlig haltlos. Faktisch existieren keine Engpässe. Selbst beim Abschalten aller Atommeiler würde nichts passieren, da der Stromüberschuss in Deutschland enorm und der existierende Verbund zuverlässig sei. Es gebe einen großen Pool an Backup/Reservekapazität, was allein schon an der unstrittigen Existenz nicht ausgelasteter Gaskraftwerke augenfällig sei. Das Problem sei also nicht der Mangel an Kraftwerken, sondern schlicht falsches Marktdesign. So müsse derzeit beispielsweise Braunkohlestrom auch in Hochwindsituationen einspeisen, was aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht äußerst fragwürdig sei.

Das Drohszenario der Deckungslücke sei somit nicht existent. Sie zur Begründung eines Trassenbaus heranzuziehen entspreche der Argumentationslinie der Generation F.J. Strauß, welche ebenfalls mit dem Argument der drohenden Deckungslücke die Alternativlosigkeit des Baus von AKWs konstatierte.  In diesem Zusammenhang rechnete von Hirschhausen auch mit dem Trugschluss ab, Atomstrom sei günstig. Der Aufbau und die Rechtfertigung des Baus von AKWs seien alleine der Tatsache des kalten Krieges und der damit einhergehenden militärischen Nutzung von nuklearer Technik geschuldet. Es gebe, so Hirschhausen, auf der ganzen Welt kein einziges wirtschaftliches AKW.

 

Das bestehende Netz, so Hirschhausen, sei großzügig dimensioniert. Auch der Trassenausbau komme sehr gut voran. Im letzten Jahr gab es einen Anteil von Eingriffen in die Erzeugungsleistung von Kraftwerken, um Leitungsabschnitte vor einer Überlastung zu schützen (Redispatch), von weniger als 0,5%.

 

Auch räumte der engagierte Professor mit dem Glauben auf, der Bau einer Trasse sei eine günstige Alternative. Bei Einbeziehung aller Kosten, die tatsächlich mit dem Bau einer Trasse einhergehen, sei ein Trassenbau der vorliegenden Dimension wesentlich kostenintensiver als beispielsweise der Bau von Stauseen.

 

Wirtschaftlich interessant sei der Trassenbau für diejenigen, die daran finanziell beteiligt seien. Eine gesetzlich garantierte Eigenkapitalverzinsung von 9% (bereinigte Rendite von mindesten 5%) gebe es in Niedrigzinszeiten sonst eher selten und stelle für die Netzbetreiber eine verlässliche Einnahmequelle dar, welche freilich über den Strompreis zu zahlen sei. Während die großen Stromabnehmer von der EEG-Umlage zumeist befreit seien und deren Strompreis auf ein Niveau von vor drei Jahren gesunken sei, zahlen die kleinen Verbraucher fleißig am verqueren Ausbaukonzept.

 

Prof. Dr. von Hirschhausen ermunterte die Anwesenden sich aktiv an der Energiewende zu beteiligen. Eine gute Möglichkeit sei die private Installation von PV oder die Gründung von Energieerzeuger-Genossenschaften. Er machte Mut den Widerstand gegen die Trasse aufrecht zu erhalten, mahnte jedoch an, langen Atem mitzubringen. Das neue Bundesbedarfsplangesetz 2016/2017 sei entscheidend für den Fortgang des Trassenkrimis. Interessanterweise berücksichtigt schon die im November 2014 veröffentlichte Fassung des Netzentwicklungsplanes zum ersten Mal Klimaschutzziele. Das macht den Trassengegnern Hoffnung auf einen guten Ausgang.

 

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